Keiner muss hungern und frieren!?

Alle Jahre wieder wird das Thema Obdachlosigkeit in den Wintermonaten diskutiert. Das Stadtbild in Heidelberg ist geprägt von Straßenmusikern und obdachlosen Menschen, die vor Geschäften, beim Postamt oder am Bismarkplatz um einen Obolus bitten, um sich etwas Essen kaufen zu können. Die Meinungen der Bürger gehen hierbei auseinander, sieht man doch die selben Bedürftigen nicht selten mit der Bierflasche in der Hand auf irgend einer Parkbank sitzen. Die Frage steht im Raum, inwieweit wird diesen Menschen in ihrer Not geholfen und nehmen sie die Hilfsangebote an?

Auffallend ist, dass man nur selten jugendliche Obdachlose im Stadtgebiet sieht. Gehören sie nicht zu der betroffenen Personengruppe? Oder wird ihnen effektiv geholfen? Es gibt Stimmen, die behaupten, dass unter den jungen Erwachsenen das Problem “Obdachlosigkeit” keine bedeutende Rolle spielt. Andere erleben, dass Jugendliche sehr wohl von Obdachlosigkeit bedroht sind, jedoch auf eine andere Art und Weise mit dieser Lebenssituation umgehen.   Jugendliche pflegen Freundschaften und sind so in ein Netzwerk von “Freunden, Kumpels und Kollegen” eingebunden. Gerät man in Not, dann wird gegenseitig ausgeholfen. So kommt es nicht selten vor, dass ein Jugendlicher, der nicht mehr zu Hause übernachten kann, einige Tage bei einem Freund übernachten kann. Manchmal überbrücken die wohnungslosen Jugendlichen schon einmal mehrere Wochen indem ihnen hier und da durch Gleichaltrige in ihrer Not geholfen wird.

Die Stadt Heidelberg bietet obdachlosen Menschen Notunterkünfte an. Jedoch selten werden diese von jungen Erwachsenen in Anspruch genommen. Man gehört ja nicht zu den “Pennern” die sich schon “ihre Birne weg gesoffen haben”. Es kostet ja auch einige Überwindung, bei den zuständigen Stellen um Hilfe zu fragen. Hannes M.* erzählt, dass er nach einigen Wochen Obdachlosigkeit dann doch mit Erwachsenen ins Gespräch gekommen ist. Sie lebten schon viele Jahre in Heidelberg auf der Straße und führten ihn dann in dieses neue Leben ein. Er lernte zu betteln, also wie man eine “Sitzung” erfolgreich durchführt, erfuhr vom “Berg”, wo Obdachlose in Hütten im Wald wohnen und wie man sich in Heidelberg auf verschiedene Art und Weise durchschlagen kann. So verlor er seine Tagesstruktur und auch den Anschluss an die arbeitende Gesellschaft. Nach mehr als einem Jahr hatte er “die Schnauze gestrichen voll”. Er wollte wieder zurück in ein normales Leben und seine Ausbildung zu Ende bringen. “Ich hätte nie gedacht, dass es so schwer sein würde, Termine bei Behörden oder anderen Stellen wahr zu nehmen”, meinte er nachdenklich, als wir ihn auf den Prozess in das “neue Leben” ansprachen. Oft habe er verpennt und sich dann geschämt, sich selbst und Anderen einzugestehen, dass er nicht mehr in der Lage gewesen wäre Termine und Verpflichtungen wahrzunehmen und einzuhalten.

Es ist wie eine Spirale, die sich permanent nach unten dreht. Hat die Obdachlosigkeit einen Jugendlichen erfasst, dann ist der “Absturz” oft bis in die Kriminalität vorprogrammiert. Sozialarbeiter, Ämter und Behörden haben dieses Problem erkannt. Schon der “Armutsbericht” der Stadt Heidelberg machte auf die steigenden Zahlen aufmerksam. Offen bleibt jedoch, ob obdachlose Jugendliche eine Lobby zur Umsetzung von Hilfsangeboten gewinnen können, wenn sie doch unscheinbar und nicht in der Öffentlichkeit auftreten. Continue reading

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